
| Startseite Tourismus Wehrkirche Mariahof | Donnerstag, 9. September 2010|05:44 |
Die erste urkundliche Erwähnung der Mariahofer Kirche finden wir in einem undatierten Vertrag des Salzburger Erzbischofs Gebhard mit dem Kircheneigentümer Markward von Eppenstein.

Nach den Amts- und Lebensdaten der Vertragspartner wurde diese Urkunde in der Geschichtsschreibung traditioneller Weise um das Jahr 1066 angesetzt. In diesem - so würde man heute sagen - Kirchensteuerabkommen erhält die eppensteinische Kirche in Graslupp -ecclesia Grazluppa - die vollen Pfarrechte. Man nimmt heute an, daß der neue "Pfarrsprengel" durch die Teilung einer Salzburger Pfarre im - damals Graslupptal genannten - Neumarkter Gebiet mit Sitz in St. Marein bei Neumarkt begründet wurde.
Als Stifterin der Kirche nennen alte Mariahofer und St. Lambrechter Traditionen eine Beatrix. Die sogenannte Beatrixtafel, die an der Evangelienseite des Chores der Mariahofer Kirche zu bewundern ist, stellt eine Variante des Rosenwunders der hl. Elisabeth die spätmittelalterliche Auffassung bildhaft dar, daß die Kirchengründerin Beatrix eine Schwester des St. Lambrechter Stifters Herzog Heinrich III. gewesen sei. Diese Tafel ist die mit einem neugotischen Rahmen und erklärender Inschrift versehene Rückseite eines ehemaligen spätgotischen Flügelaltares. Die Forschung neigt heute der Anschauung zu, dass diese alten Traditionen auf eine Errichtung der Mariahofer Kirche durch die Gemahlin Herzog Adalberos, die schwäbische Herzogstochter Beatrix, schließen lassen. Demnach könnte man die Anfänge der eppensteinischen Kirche im Grasluppgau für die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts ansetzen.
Marienkirche zu Mariahof
Über das Aussehen der einstigen romanischen Mariahofer Kirche sind wir nicht unterrichtet.
Die heute bestehende Pfarrkirche Hl. Maria wurde unter den Äbten Heinrich II. Moyker (1419 - 1455) und Johann II. Schachner (1455 - 1478) errichtet.
Nach dem Ungarneinfall von 1482 hat man sie wieder hergestellt und zusammen mit dem Pfarrhof zu einer der größten kirchlichen Wehranlagen der Steiermark ausgebaut. Die endgültige Fertigstellung ist mit dem Jahr 1511 zu datieren (Inschrift an der Pfarrhofswehrmauer).
Der Chor ist zwei-jochig mit 5/8-Schluss und Netzrippengewölbe auf Runddiensten, die auf Wandpfeilern ruhen. An den Diensten finden sich Nischen mit Doppelkonsolen, jene des Chorjoches weisen bemerkenswerte Köpfe auf. Im Gewölbe wurde 1966 eine vegetabile Rankenmalerei aus dem Beginn des 16. Jahrhundert freigelegt. Im Chorschluss ist die Darstellung Maria mit Kind zu sehen. Die Sessionsnische in der südlichen Chorwand ist mit krabbenbesetzten Eselsrücken versehen.
Nördlich des Chores findet man die gotische Sakristei. Sie ist zwei-jochig und sternrippengewölbt, die Errichtung stammt aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Darüber liegt das Oratorium mit einem Netzrippengewölbe.
Die Maßwerkfenster sind zweibahnig und mit Ornamentscheiben aus der Tiroler Glasmalereianstalt (1906) versehen. Eingangs- und Sakristeiportale sind schulterbogig, die Sakristeitüre ist mit Eisen beschlagen. Durch einen spitzbogigen Fronbogen gelangt man in das um fünf Stufen tiefer gelegene Langhaus. Dieses ist drei-jochig, breiter und höher als der Chor, mit seinen Außenmauern im Kern gotisch, dann aber in der Art Domenico Sciassias barockisiert durch kräftige Wandpfeiler und ein auf Gurten ruhendes Kreuzgratgewölbe.
Barocke Hochrechteckfenster mit Mittelpfeiler belichten großzügig den Raum. Die fünffache Westempore ist kreuzgratunterwölbt und ruht auf gemauerten Pfeilern.
Der mächtige, leicht eingestellte Westturm hat vier Geschosse und einen Spitzhelm. Im südlichen Turmwinkel findet man eine offene Kreuzkapelle.
Der prachtvolle Hochaltar wurde laut Kontrakt von 1627 durch den Bildhauer Christoph Paumgartner errichtet. In der Mittelnische befindet sich eine sitzende Maria mit Kind. Um die Nische gibt es eine reiche Rahmung, darüber den Baldachin sowie Engel, gefertigt von Balthasar Prandtstätter um 1730-1740.
Auch der Annenaltar, der Donatusaltar, der Marien- und der Michaelsaltar stammen wohl alle aus der Werkstatt des Christoph Paumgartner. Die Kanzel ist ein Werk des 18. Jahrhunderts geschmückt mit den vier abendländischen Kirchenlehrer und Engelsfiguren.
Quelle: Gemeindeserver v. 1.2.2006
Fotos: Günther Juritsch